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Bericht von der Jahrestagung am 17. Mai 2019 in Darmstadt

 

 

 

1919 Emanzipation der Kirche vom Staat
Einhundert Jahre Synodalprinzip

Die Jahrestagung der Hessischen Kirchengeschichtlichen Vereinigung (HKV) fand am 17. Mai im Darmstädter „Haus der Geschichte“, dem Hessischen Staatsarchiv am Karolinenplatz 3 statt. Dort tagte in der Mittagszeit der Vorstand mit dem wissenschaftlichen Beirat sowie anschließend die Mitgliederversammlung.

Die Vortragsveranstaltung fand im großen Hörsaal statt, dem ehemaligen Theater-Raum des Moller-Baus, wie der Leiter des Hessischen Staatsarchivs, Dr. Johannes Kistenich-Zerfaß, in seiner Begrüßung erklärte. Die öffentliche historische Tagung in Kooperation mit der Hessischen Historischen Kommission war hochkarätig besetzt und mit ca. 50 Interessierten gut besucht.

Zum Thema „1919. Emanzipation der Kirche vom Staat – 100 Jahre Synodalprinzip“ sprachen sowohl der Kirchenpräsident Dr. Dr. h.c. Volker Jung als auch der aktuelle Präses der Synode, Dr. Ulrich Oelschläger, sowie der frühere Präses Prof. Dr. Karl Heinrich Schäfer. Ihre Grußworte, Referate und Diskussionsbeiträge zeichneten sich durch z.T. jahrzehntelange persönlichen Synoden-Erfahrungen aus. Das Grundsatzreferat hielt der Frankfurter Kirchenhistoriker und Herausgeber des Jahrbuchs der HKV, Prof. Dr. Markus Wriedt, zum Thema „Demokratie und Kirche“. Er zeichnete die schon in der frühen Kirche der ersten fünf Jahrhunderte gestellte Frage, „ob sich der Heilige Geist an Mehrheitsentscheidungen binden könne“ nach bis hin zu dem Ringen der modernen Synodensitzungen um den richtigen Weg. Für dieses Ringen konnte der Kirchenpräsident aktuelle Beispiele wie die „Segnungsdebatte“ und Trauung homosexueller Paare, den Umgang mit Antisemitismus oder den Einsatz moderner Medien nennen. Für ihn ist die Synoden-Arbeit gerade in der EKHN, zurückgehend auf Martin Niemöller und seine Nachfolger, von denen die Präsides lebendig und z.T. auch kritisch erzählen konnten, ein „hochpartizipatives Verfahren“.  Er sieht diesen „demokratischen Prozess in der Vielfalt“ als Stärke an und erteilt den Warnungen vor einem „Gremienprotestantismus“ oder einer „demokratischen Sitzungsmaschine“ (Jan Hermelink) im Grunde eine Absage.  Im „magnus consensus“ erkennt er das Kennzeichen einer stets hörenden und lehrenden Kirche, die auch einmal gegen den gesellschaftlichen Strom schwimmen muss. Den Satz Luthers in der Auseinandersetzung mit Johannes Eck bei der Leipziger Disputation 1519, auf den Wriedt schon hingewiesen hatte, nämlich dass Konzilien auch irren können und geirrt haben, konnte der Kirchenpräsident auch für 2019 bekräftigen: Synoden können irren, so wie jeder Mensch irren kann. Nicht zuletzt deswegen dürfe es keine falsche Herrschaft von Menschen oder Menschengruppen in der Kirche geben, betonte Oelschläger, die Barmer Synode vom Mai 1934 (vor 85 Jahren) zitierend.

Man wird gespannt sein auf das Jahrbuch, in dem die qualifizierten Beiträge nachzulesen sein werden. Die nächste Jahrestagung wird am 8. Mai 2020 in Eschwege stattfinden und sich genau 75 Jahre nach Kriegsende eben jener Zeit und den Folgen für die kirchliche Arbeit widmen.

Friedhelm Ackva